Der bayerische Spurwechsel in Fratres zu Gast
Skulpturen von Tomas Pergler. Foto: Petra Kurbjuhn
Thementag in Fratres/Niederösterreich
Bereits zum sechsten Mal durfte KulturVision einen Thementag der Kulturbrücke Fratres mitgestalten. Es ging um alternative Lebensmodelle, in denen Menschen Sinn jenseits des Wachstumswahns suchen. Wie immer spielte Kunst und Musik auch an diesem Tag eine wichtige Rolle – in der Gemeinschaft.
Im vergangenen Jahr hatte KulturVision mit dem Kulturamt der Stadt Miesbach die tschechische Künstlergruppe etcetera in den Waitzinger Keller zu einer Ausstellung eingeladen. Jetzt präsentierten die drei Künstler Teodor Buzu, Tomas Pergler und Vlastimil Slaby ihre Werke gemeinsam im Gutshof in Fratres.
Seidenbilder von Teodor Buzu. Foto: Petra Kurbjuhn
Damit dokumentierte zum einen die Ausstellung den europäischen Gedanken im Kleinen, nämlich die Verbindung Bayern – Österreich – Tschechien und zum anderen ist etcetera der lebendige beweis für die Kraft und Inspiration gemeinschaftlichen Wirkens.
Tomas Pergler und Teodor Buzu mit der Autorin bei der Ausstellungseröffnung. Foto: Petra Kurbjuhn
Teodor Buzu zeigt zauberhafte Seidenmalerei, luftige, leichte Werke, in denen figürliche Kompositionen sich auflösen. Der georgische Künstler betonte, dass es bei dieser Technik keinerlei Übermalungen gibt, jeder Pinselstrich muss sofort sitzen.
Fotografie von Vlastimil Slaby. Foto: Petra Kurbjuhn
Der Prager Bildhauer Tomas Pergler überrascht immer wieder mit seinem Hintersinn, seinem Humor, aber auch seiner gesellschaftlichen Themenwahl. So steht seine „Revolution“ auf sehr wackeligen Rädern, die wohl von einem ausrangierten Handwagen stammen.
Vlastimil Slaby hat stille Fotografie ausgestellt, die er neuerdings auch mit Übermalungen in zurückhaltender Farbigkeit ergänzt.
„Erinnerung an den Menschen“ von Franz Xaver Ölzant. Foto: Hannes Reisinger
Ergänzend zum Werk von etcetera war im Heckengarten die Bronzeskulptur von Franz Xaver Ölzant „Erinnerung an den Menschen“ zu sehen, die diesjährige Begleitung der fünf Thementage der Kulturbrücke Fratres.
Barbara Hahn und Johannes Michael erläutern das PAN-Konzept. Foto: Hannes Reisinger
Nicht nur in der Kunst, auch bei den alternativen Lebensmodellen kam der europäische Gedanke zum Tragen. Den österreichischen Part übernahm die Gruppe PAN aus Hammerstein, eine alternative Gemeinschaft, die miteinander lebt, einen landwirtschaftlichen Betrieb und Werkstätten führt.
Im Spiegel des Nächsten
24 Menschen haben sich zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, auch die Kinder werden in der Gruppe unterrichtet. Gemeinschaft sei für sie die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ im Spiegel des Nächsten, erklärten die Mitglieder dem interessierten Publikum.
Jana Bochničkovà erläuerte ihr Konzept. Foto: Petra Kurbjuhn
Aus Tschechien kamen Mitglieder der Familie Bochniček, die ihr urbanes Leben hinter sich ließen und jetzt im Rahmen des Projektes „Naturgärten ohne Grenzen“ in einem kleinen Dorf unterschiedliche Produkte aus Kräutern herstellt und verkauft, sowie historische Gebäude restauriert.
Der bayerische Spurwechsel in Fratres/NÖ. Foto: Hannes Reisinger
Der bayerische Spurwechsel in Fratres
Die Spurwechselinitiative von KulturVision, die gerade in einem Interview im Podcast der Journalistin Margaret Heckel vorgestellt worden war, präsentierte sich mit Ausschnitten aus dem Film des Bayerischen Fernsehens „Stationen“. Das Projekt fand so großen Anklang im Publikum, dass ein Gast einen Ableger im Salzkammergut plant.
Lesetipp: Spurwechsel beim Bayrischen Rundfunk
Alle drei Modelle, sehr unterschiedlich in ihren Strukturen, sind geprägt von der Idee, ein gelingendes Leben zu führen, das nicht dem Konsumismus dient, sondern solidarische und ökologische Grundprinzipien pflegt. Zudem spielt der Gemeinschaftsgedanke eine wichtige Rolle.
Coloman Kallos leitet die Gruppen-Improvisation. Foto: Hannes Reisinger
Diese Gemeinschaft kam in der anschließenden Gruppenimprovisation zum Tragen. Coloman Kallos, ehemals Dozent am Orff-Institut des Mozarteums in Salzburg, lud dazu ein, Klang und Rhythmus mit verschiedenen Instrumenten auszuprobieren.
Aufeinander hören
Dabei wurden willkürliche Gruppen der Besucher gebildet, die intensiv aufeinander hören und sich aufeinander einstimmen sollten. Eine Premiere in Fratres, die die Gäste bereicherte.
Thomas Wimmer und Michael Posch. Foto: Hannes Reisinger
Zum Ausklang des gelungenen Thementages spielten Thomas Wimmer (Viola da gamba) und Michael Posch (Blockflöten), beide Professoren an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien im Studiengang Alte Musik. Auch hier kam der Gemeinschaftsgedanke zum Tragen, die beiden Musiker vom Unicorn Ensemble lieferten einen präzisen, virtuosen und gleichfalls lebendigen musikalischen Dialog.