Nussknacker

Der Nussknacker – Mit Kindern für Kinder

Ensemble mit Solisten Daniel Zaboj und Julia Fries. Foto: MZ

Ballett in Rottach-Egern

Vor einem voll besetzten Saal im Seeforum Rottach-Egern hatte die Giulia Dance Company ihre Premiere im Landkreis Miesbach mit dem berühmten Ballett von Peter Tschaikowski „Der Nussknacker“, das sie in modernem Gewand unter großem Beifall präsentierte.

„Der Nussknacker“ ist eines der berühmtesten Ballette, das zumeist in der Weihnachtszeit aufgeführt wird. Dabei ist das Märchen „Nussknacker und Mäusekönig“ von E.T.A. Hoffmann die Basis. Es geht um die Geschichte von Clara, die von ihrem Onkel einen Nussknacker zu Weihnachten geschenkt bekommt. In der Nacht wollen böse Mäuse den Nussknacker stehlen, aber ein Prinz rettet ihn und nimmt Clara mit auf eine Reise in ein Schloss zur Schneekönigin, wo Gäste aus aller Welt ein großes Fest feiern.

Nussknacker modernisiert

Peter Tschaikowski hat zu dieser Geschichte eine Musik geschrieben, die auch außerhalb des Balletts in einer Suite bekannt wurde, etwa der Blumenwalzer. Die Giulia Dance Company unter der Leitung von Julia Fries hat das Ballett entstaubt, die klassische Musik mit moderner verknüpft und damit auch für jugendliches Publikum attraktiv gemacht. Zudem arbeitet die Aufführung mit Bildern und Videos, die in das märchenhafte Geschehen einführen und neben Musik und Tanz eine dritte Dimension eröffnen.

Nussknacker
Mäuseszene mit Clara (Luise Paringer) und Mäusekönigin (Carla Schnieders). Foto: MZ

Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die rein klassische Musik nicht mehr so gefragt sei wie früher, erklärt Julia Fries ihre Neuinszenierung. Zudem habe sie bei der Mäuseszene dramatischere Musik als im Original einsetzen wollen.

Das Besondere an der Ballettaufführung ist, dass die professionellen Tänzerinnen und Tänzer gemeinsam mit Schülerinnen der Ballettschule am Fürstenhof auf der Bühne stehen. Ganz kleine sind dabei mit großer Begeisterung und Eifer, ja nichts falsch zu machen, Schulmädchen, die mit tänzerischem Können aufwarten und Teenager, die den Erwachsenen kaum in ihrem Talent und tänzerischem Ausdruck nachstehen.


Julia Fries und Daniel Zaboj. Foto: MZ

Die kleine Clara wird von Luise Paringer mit ganz erstaunlichem Können und einer besonderen Ausstrahlung getanzt, während die erwachsene Clara von der diplomierten Tänzerin Julia Fries gegeben wird. Sie ist mit ihrem Partner Daniel Zaboj (Drosselmeyer/Prinz) vom Theater Prag ein eingespieltes, klassisches Tanzpaar, das in den Pas de Deux brilliert. „Er ist ein toller Artist und bringt Magie auf die Bühne“, sagt Julia Fries über ihren Tanzpartner.

Die meisten Szenen werden von kleinen und großen Tänzerinnen und Tänzern gemeinsam getanzt, sowohl im ersten Akt, bei dem eine festliche Atmosphäre herrscht, als auch im 2. Akt auf dem Schloss. Hier hat Julia Fries auch Änderungen am Original vorgenommen.


Chinesische Szene mit Breakdancer Stuart Garcia. Foto: MZ

In jüngster Zeit gab es wegen einiger Szenen, insbesondere der chinesischen Teeszene oder der der Szene mit Orientalen Bedenken wegen rassistischer Aspekte und manche Theater strichen sogar den Nussknacker von der Aufführungsliste.

Breakdancer in China

„Ich sehe diese Szenen nicht rassistisch“, sagt Julia Fries, dennoch habe sie einiges verändert, verkürzt oder weggelassen. Beim chinesischen Tanz änderte sie die Musik und baute passend zu den Beats einen Breakdancer ein. Stuart Garcia begeisterte das Publikum mit seinen akrobatischen Moves, bei denen er letztlich auf dem Kopf steht.

„Mein Steckenpferd ist es, klassisches Ballett und Breakdance zusammenzuführen“, erklärt die Tänzerin, generell wolle sie in ihren Choreografien auch andere Tanzstile einbauen als die rein klassischen. Das funktioniert, der Erfolg beim Publikum gibt ihr recht.


Im Orient. Foto: MZ

Auch der arabische Part entspricht nicht der Originalchoreografie, da sei viel zu wenig Spannung drin und sie wolle, dass der orientalische Tanz Fahrt aufnehme. Aus politischen Gründen habe sie aus den russischen Szenen ukrainische gemacht, erläutert Julia Fries, denn Kunst habe auch einen gesellschaftlichen Auftrag. So gestaltete sie eine sehr berührende Tanzszene mit drei Tänzerinnen, bei der am Ende eine Friedenstaube eingeblendet wird. „Ich wollte eine kleine Friedensbotschaft unterbringen“, meint die Choreografin.


Spanischer Part. Foto: MZ

So ist „Nussknacker next Level“ von der Giulia Dance Company unter Leitung von Julia Fries eine Aufführung wie für Familien gemacht. Die Kombination der Musik- und Tanzstile, die Einbindung auch des Nachwuchses und die Verbindung von Modernem mit Klassischem, wozu auch die pompösen Kostüme mit viel Glitzer gehören, gemeinsam mit der Tanzkunst aller Mitwirkenden sollte Klein und Groß die Faszination von Theater vermitteln.

Am Ende des gelungenen Nachmittags hatte Julia Fries noch eine Überraschung parat. Sie gestand, dass heute ihr zweiter Hochzeitstag sei und dazu habe die Company ein Medley mit moderner Musik einstudiert. Dies gipfelte mit Queen in einer rasanten Tanzshow, die das Publikum in Begeisterung versetzte.

Die Giulia Dance Company hat als nächste Produktion „Alice im Wunderland“ einstudiert.

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