Figaros Hochzeit

Ein Geniestreich erster Güte

Das Ensemble der Waller Brettlhupfer in „Figaros Hochzeit“. Foto: Petra Kurbjuhn

Theater in Wall

Mit tosendem Applaus bedankte sich das Publikum im Trachtenheim Wall bei den Waller Brettlhupfern für eine rasante, verrückte und ganz andere Inszenierung von „Figaros Hochzeit“ von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais.

Nein, er würde sich nicht im Grab umdrehen, es hätte ihm auch gefallen, dem französischen Filou. Schenkt man dem Roman „Die militante Madonna“ von Irene Dische Glauben, dann war Beaumarchais ein äußerst zwielichtiger Typ, der nicht nur als Autor, sondern auch als Geheimagent und Spekulant unterwegs war.

Den Waller Brettlhupfern gelang unter der Regie von Ludwig Stürzer, unterstützt von Ursula Lippkau eine fulminante Vorstellung, an der alles passte. Spannende, witzige Dialoge, teils ganz neu eingefügt, ein überaus gelungenes Bühnenbild mit Überraschungen, opulente Kostüme und Maske, erotische Musikeinlagen und natürlich ein fantastisch agierendes Ensemble. Zum 20. Geburtstag kehren die Brettelhupfa zu ihrem ersten Stück zurück, aber haben es völlig umgekrempelt.

Figaros Hochzeit
Regisseur und Schauspieler Ludwig Stürzer mit seinem Ensemble. Foto: Petra Kurbjuhn

Verwunderlich ist dieser Erfolg nicht, die Theatergruppe überrascht immer wieder durch ihre niveauvolle Unterhaltung. Einige Jahre war Profiregisseurin Steffi Baier in Wall tätig, sagt aber jetzt: „Das könne die alleine.“ Wir recht sie hat.

Aber der Reihe nach. Die Geschichte „Der tolle Tag“ oder „Figaros Hochzeit“ ist bekannt, Mozarts Oper basiert auf diesem Stück. Graf Almaviva will sich das „Recht der ersten Nacht“ von Suzanne erstreiten, bevor sie ihren Figaro heiratet, dieser aber reagiert mit List und Tücke, wobei sich noch unvorhergesehene Familienverhältnisse herausstellen. Eine Reihe von Intrigen schmücken das Ganze aus.

Figaros Hochzeit
Suzanne (Conny Berghammer) und Figaro (Korbinian Kloiber). Foto: Petra Kurbjuhn

Die Komödie von Beaumarchais, der sich selbst den Adelstitel erschwindelte, ist eine Persiflage auf die verkommene Aristokratie und zeigt die Überlegenheit des aufstrebenden Bürgertums, ist also ein echtes Stück der Aufklärung.

Die Inszenierung hat das Stück zunächst kräftig abgestaubt, arbeitet die Perversität und moralische Verlogenheit des Adels exzellent heraus, zudem mit viel Humor und Tempo versehen.


Die Wallküren: Rosi Staber, Josefa Kinshofer und Maria Aigner-Irger. Foto: Petra Kurbjuhn

Dies wird gleich zu Beginn deutlich, als die drei Walküren (stimmgewaltig und verführerisch Rosi Staber, Josefa Kinshofer und Maria Aigner-Irger) musikalisch zum Stück hinführen. Gleich darauf taucht als Kommentator oder besser Kommentatorin Leonhard Obermüller im Frauengewand mit ordentlicher Oberweite auf. Er führt intelligent und charmant durch das verworrene Geschehen.


Leonhard Obermüller kommentiert. Foto: Petra Kurbjuhn

In dessen Mittelpunkt steht natürlich der von Korbinian Kloiber sympathisch, gewitzt und schlau dargestellte Figaro, der um alles in der Welt seine Suzanne heiraten will. So ist auch die Macht der Liebe eine wesentliche Botschaft. Conny Berghammer spielt Suzanne liebenswürdig und reizvoll.


Almaviva (Christian Selbherr) und Szanne (Conny Berghammer). Foto: Petra Kurbjuhn

Der nach Frauen verrückte Graf Almaviva ist für Christian Selbherr eine Glanzrolle, in der er alle schauspielerischen Mittel für Arroganz und ein bisschen Dummheit einsetzt, seine Kopfbewegungen sehenswert. Elisabeth Estner gibt der Gräfin ein liebevolles Image, sie spielt mit, um ihren Mann wieder zu bekommen, denn sie fühlt sich abgelegt.


Marceline (Veronika Seestaller) und Doktor Bartholo (Sepp Kloiber). Foto: Petra Kurbjuhn

Durch ihren derben bairischen Dialekt wird Veronika Seestaller als nach Figaro lechzende Marceline besonders komisch und Sepp Kloiber als Doktor Bartholo vollzieht einen sichtbaren Wandel vom uninteressierten hin zum Brutpflege betreibenden Mann. (Nicht verständlich? Anschauen!)


Cherubin (Alois Seestaller) und Suzanne (Conny Berghammer). Foto: Name

Exaltiert und sehr schrill kommt Sylvia Berghammer als Fanchette daher, deren Stimme sich in die Ohren bohrt, während der brave, kleine in die Gräfin verliebte Cherubin (Alois Seestaller) die Gunst nahezu aller genießt, nur nicht die des Grafen, der den Pagen als Offizier abkommandiert. Stefan Münch mit chicer Haartolle spielt den intriganten Wüstling Bazile und der versoffene Antonio ist eine köstlich bizarre Rolle für Wolfgang Lippkau.


Die Gräfin (Elisabeth Estner) mit dem verhüllten Cherubin, den Wallküren und Fanchette (Sylvia Berghammer). Foto: Petra Kurbjuhn

Hier wird deutlich, dass die Inszenierung von Ludwig Stürzer, der selbst in mehreren Nebenrollen mitspielt) nicht nur im Großen rundum gelungen ist, sondern ganz subtil auch in den kleinsten Szenen Intelligenz und Witz einarbeitet. Beim Sturz aus dem Fenster zertrümmert Cherubin nicht Levkojen, wie im Original, sondern die Melone Gerda, weil Antonio allen Melonen Namen gibt.


Antonio (Wolfgang Lippkau) mit Gerda. Foto: Petra Kurbjuhn

Letztlich ist Michael Zehrer ein französisch parlierender Richter, der offen zugibt, sein Amt gekauft zu haben. Und so wird auch konstatiert: „Das Recht ist das Recht der Großen.“

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Eine sehr unterschiedliche Gesellschaft also, zum einen der Adel, den Figaro fragt: „Was haben Sie getan, um sich das zu verdienen?“ Das Stück gilt als Vorspiel zur Französischen Revolution und schon in der Originalfassung kritisch. Zum anderen die Unterdrückten, aber mit Geist und Witz versehen und somit überlegen.

Die Inszenierung der Waller überzeichnet das in höchst humorvoller, rasanter und intelligenter Manier, ein Geniestreich erster Güte. Und so gilt dem gesamten Ensemble auf und hinter der Bühne große Anerkennung, 16 Mitwirkende und zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer dahinter.

Die nächsten Aufführungen sowie vier Zusatztermine sind sämtlich ausverkauft, zwei weitere Zusatzvorstellungen sind für den 25. Und 26. April geplant. Karten gibt es ab 29. März 10 Uhr über die Webseite der Waller Brettelhupfer sowie zeitgleich im Gasthof Mehringer.

Zum Weiterlesen: Wer ist hier normal im Champus Express?

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