
Riesige Quallen am Tegernsee gesichtet
Matthias Erhardt vor seiner begehbaren Installation „Quallen/Jellyfish“. Foto: CS
Ausstellung in Gmund
Glitschiger Körper und lange Tentakel – Quallen möchte man normalerweise nicht begegnen. Aber faszinierend sind sie dennoch. Der Kreuther Grafiker und Künstler Matthias Erhardt zeigt im Hotel Blyb. eine begehbare Installation mit großformatigen Linoldrucken dieser filigranen Wesen.
Man sollte ihnen eigentlich nicht zu nahe kommen. Doch genau das passiert gerade beim Besuch der begehbaren Installation „Quallen/Jellyfish“ von Matthias Erhardt, die seit vergangenem Sonntag im Hotel Blyb. in Gmund zu sehen ist. Über 40 Linoldrucke hängen dort von der Decke des schmalen, gläsernen Backhauses herab – ganz eng beieinander.
Wie durch ein Labyrinth muss man sich daher durch die Papierbögen in verschiedenen Blautönen hindurchschlängeln. Mit einer Breite von knapp über einem Meter und einer Länge von über zwei Metern sind die Drucke riesig. Das Schöne daran: Sie bewegen sich. „Es ist ein bisschen so, als würde man ins Meer eintauchen“, sagt Matthias Erhardt.
Die Installation befindet sich im Backhaus des Hotels Blyb. Foto: CS
Quallen sind ein eher ungewöhnliches Thema. Dennoch hegte der Kreuther schon lange den Wunsch, etwas dazu zu machen. Denn was ihn an den Tieren fasziniert, ist ihre Widersprüchlichkeit: Sie sind eklig, aber dennoch wunderschön, zart und filigran, aber dennoch äußerst wehrhaft. Sie verfügen weder über ein Gehirn noch über ein Herz und haben dennoch ein Bewusstsein. „Für mich allemal genug, um mich künstlerisch damit zu befassen“, sagt er.
Matthias Erhardt erhält den Gmund Award 2024 für seine Quallen-Drucke
Bereits im vergangenen Jahr haben seine Quallen für Aufsehen gesorgt, denn damit gewann der Künstler den Gmund Award 2024 in der Kategorie Art. Dieser wurde im Rahmen des Unfolded-Festivals für Design, Print und analoge Kommunikation verliehen, das die Büttenpapierfabrik Gmund veranstaltet.
Der Chef der Büttpapierfabrik Gmund, Florian Kohler, bei seiner Laudatio. Foto: CS
Aus diesem Grund stattete auch Firmenchef Florian Kohler der Vernissage im Blyb. einen Besuch ab und hielt vor den zahlreich erschienen Gästen eine Laudatio auf den Künstler. Neben der kreativen Idee und der beeindruckenden handwerklichen Umsetzung begeistert sich Florian Kohler natürlich auch für das gewählte Medium: Denn Matthias Erhardts Werke sind auf Bögen von Gmund Colors Papier gedruckt, die aus seinem Haus stammen.
Riesiger Aufwand und spezielle Drucktechnik
Auch wenn Matthias Erhardts Werke aufgrund des Materials eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlen, der Arbeitsaufwand, der hinter diesen Drucken steckt, ist immens. Zuerst muss er eine freie Zeichnung anfertigen, die er dann auf eine Linoleumplatte überträgt und von Hand hineinschnitzt. Ein Vorgang, der allein schon mindestens zwölf Stunden in Anspruch nimmt.
Über 40 Drucke hängen im Backhaus von der Decke. Foto: CS
Danach wird das Motiv mit unterschiedlichen Farben, die er selbst anmischt, auf die Papierbögen gedruckt. Aber vor jedem Druckvorgang mit einer anderen Farbe muss er die Platte zuerst nochmal bearbeiten und hineinschnitzen. „Diese Technik nennt sich Reduktionstechnik“, erklärt er seinen Gästen. Die Druckfläche wird dabei immer kleiner. Ein Prozess, der viel Überlegung und Präzision erfordert. Denn ist erst mal etwas weggeschnitzt, kann es nicht mehr abgebildet werden.
Drucken mit Hilfe einer Rasenwalze
Weil sein Atelier für die Größe der Drucke zu klein war, musste Matthias Erhardt improvisieren und auf dem Fußboden seines Wohnzimmers arbeiten. Ein Umstand, der seiner Frau viel Geduld abverlangte, erzählt er.
Als Druckpresse hat der findige Künstler eine Rasenwalze verwendet. „Die habe ich für 25 Euro bei Ebay-Kleinanzeigen gekauft.“ Sie steht im Backhaus direkt neben einer seiner Druckplatten, um den komplexen Schaffensprozess zu veranschaulichen.
Für die Schau hat Matthias Erhardt eine seiner Linoleumplatten und die Rasenwalze mitgebracht. Foto: CS
Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis Matthias Erhardt sein Werk vollendet hat. Den Besuchern der Ausstellung rät er, sich Zeit zu nehmen, um die Bilder auf sich wirken zu lassen.
Vor allem lohne es sich, die Installation auch bei Dunkelheit anzuschauen. „Lasst euch verzaubern!“, lautet sein Appell. Denn durch ein farbiges Licht an der Decke entsteht eine fast mystische Atmosphäre, die den Werken nochmal einen ganz anderen Charakter verleiht.
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