
Literatur für den Tierschutz
Das Cover von Wundervolle Tiere und ihre Welten. Foto: Christine Rummel
Buchtipp von KulturVision
Was tun, wenn man ein Herzensprojekt finanziell unterstützen und den Spendern etwas zurückgeben möchte? Die österreichische Autorin Vera Malissa hatte die Idee, statt Geld erst einmal Geschichten zu sammeln. Im Juni 2024 startete sie dazu einen Aufruf auf Instagram.
Von der Idee zum Buch mit Social Media
Innerhalb kurzer Zeit wurde der Beitrag beinahe sechzig Mal kommentiert. Leute meldeten sich nicht nur, wenn sie selbst eine Geschichte spenden wollten, sondern auch mit Vorschlägen für weitere Teilnehmer. Es wurden fleißig Autoren-Accounts verlinkt und immer mehr potentielle Schreiber sahen den Aufruf. So erging es auch mir. Ich wurde aufgrund meiner beiden Jugendbücher verlinkt, deren Hauptschauplatz eine Landwirtschaft mit Rindern, Pferden, Hühner und Katzen ist. Bald waren rund zwanzig Autoren gefunden, die Veras Idee einer Spenden-Anthologie zum Leben erwecken wollten. Der Reinerlös des fertigen Buches sollte einer Tierschutzorganisation zufließen. So begannen rund zwanzig Schreibende, Kurzgeschichten und Gedichte zum Überthema Tiere zu verfassen.
Doch lassen wir Vera selbst zu Wort kommen.
CR: Liebe Vera, zwischen dem Aufruf im Juni 2024 und der Veröffentlichung der Anthologie „Wundervolle Tiere und ihre Welten“ im Februar 2025 lagen nur acht Monate. Im Nachhinein betrachtet, ist das keine extrem lange Vorlaufzeit für die Erscheinung eines Buches. Für dich und deine Helfer waren die Monate sicher prall gefüllt. Magst du erzählen, was eure Hauptaufgaben rund um die Entstehung der Anthologie waren?
VM: Hallo Christine! Wir hatten tatsächlich genug zu tun. Die meiste Zeit nahmen das Lektorat und das Korrektorat der wunderbaren Geschichten in Anspruch. Dann musste jemand für die Innenillustrationen und das Cover gefunden werden und ich freue mich, dass wir mit Asna Chiron eine großartige Illustratorin und mit Renee Rott von Dream Design – Cover and Art einen hervorragenden Coverdesigner gefunden haben, die ihre Arbeit dem guten Zweck gespendet haben. Schlussendlich mussten wir uns noch über den Klappentext einigen.
Aufruf von Vera Malissa. Screenshot Instagram
CR: Für mich warst du die Ansprechpartnerin im Entstehungsprozess. Doch auch M.E. Pandura ist eine Herausgeberin. Wie habt ihr euch gefunden und in der Arbeit ergänzt?
VM: Meine ursprüngliche Idee war die Planung eines Events, auf dem ich und andere Autoren für einen guten Zweck aus ihren Büchern lesen würden. Da es in meinem ersten Buch um ein traumatisiertes und misshandeltes Pferd geht, lag es nahe, dieses Event zugunsten einer Tierschutzorganisation zu veranstalten. Ich machte dazu auf Threads einen Aufruf und so lernte ich Mona aka Evelyn kennen. Von ihr kam dann die Idee, eine Spendenanthologie herauszugeben. Nun, die Anthologie haben wir verwirklicht, das Event soll noch heuer vor Weihnachten stattfinden.
Übersicht über die verschiedenen Geschichten. Foto: Christine Rummel
Eine bunte Mischung an Tieren und deren Geschichten
CR: Das Cover zeigt eine Katze. Doch sie ist nur eine der vielen Tiere, denen die Beiträge im Buch gewidmet sind. Welche verschiedenen Tiere sind die Stars der Anthologie?
VM: Wir gaben den Autorinnen völlig freie Hand, welche Geschichten sie erzählen wollten – es sollte sich nur um die Themen Tiere, Tierschutz und Tier-Mensch-Beziehungen drehen. Und so finden sich in den Geschichten die verschiedensten Tiere wieder. Neben Katzen und Hunden gibt es Pferde, Eichhörnchen, einen tapferen Hahn, einen traumatisierten Wellensittich und einen Storch, der nicht mehr fliegen kann, einen Bären, und auch ein Zirkuselefant hat Eingang in das Buch gefunden.
CR: Werden die Geschichten aus Tier-Sicht oder aus Menschen-Sicht erzählt?
VM: Auch hier gibt es sowohl als auch – und ich finde, das ist gerade das Schöne daran. Die Geschichten sind so unterschiedlich wie die Autoren.
CR: Der Reinerlös der Anthologie fließt an die Tierhilfe Süden Austria. Wie kam es zu der Auswahl?
VM: Das war wirklich schwierig, denn es gibt unzählige Tierschutzorganisationen, alle leisten großartige und wertvolle Arbeit und verdienen jegliche Unterstützung. Dass wir uns schließlich für die Tierhilfe Süden Austria entschieden haben, liegt vor allem in der räumlichen Nähe dieser Organisation zu Evelyn und mir, denn für das Event ist es natürlich besser, wenn wir das gemeinsam auf die Beine stellen. Darüber hinaus ist die Tierhilfe Süden Austria auf Social Media sehr aktiv, hat einen eigenen Webshop und ist auch regelmäßig auf Advent- und anderen Märkten vertreten. All das bringt dem Buch natürlich mehr Aufmerksamkeit und erhöht die Chancen auf Verkäufe und damit mehr Spendeneinnahmen.
Eine der illustrierten Kapitelzierden. Foto: Christine Rummel
CR: Die Autoren verzichten auf eine Beteiligung am Umsatz. Dennoch fließen nicht die kompletten 16,90 € Verkaufspreis an die Tierhilfe. Schließlich müssen die Materialkosten und der Buchhandel bezahlt werden. Über welchen Vertriebskanal kaufe ich das Buch, damit möglichst viel für die Tierhilfe übrig bleibt?
VM: Das Buch wurde über Tredition veröffentlicht. Bei Bestellungen direkt in deren Shop fließt der Anteil, den sonst der Handel bekommen würde, stattdessen an die Tierhilfe.
CR: Vielen Dank, liebe Vera, dass du und dein Helfer-Team das Projekt möglich gemacht habt. Magst du den Lesern abschließend noch etwas mit auf den Weg geben?
VM: Ich würde mir wünschen, dass sich alle, die sich dafür entscheiden, ein Tier in ihr Leben zu holen, darüber im Klaren sind, dass das eine Entscheidung fürs Leben ist. Dass niemand wegsieht, wenn ihm Tierleid begegnet. Dass sich alle Menschen bewusst sind, dass wir uns diesen wunderschönen Planeten mit den Tieren teilen und sie dieselben Rechte auf Leben und Glück haben wie wir.