Der nördliche Sprechbär und der südliche Diribär

Die Holzkirchner Symphoniker mit ihrem Dirigenten Andreas Ruppert und Moderator Sven Ahnsjö. Foto: Petra Kurbjuhn

Konzert in Holzkirchen

Mit ihrem traditionellen Vaschingxkoncert bescherten die Symphkirchner Holzphoniker dem Publikum im voll besetzten Festsaal des KULTUR im Oberbräu ein überaus gelungenes Faschingsvergnügen.

Sie verstehen ihren Auftritt, kommen fantasievoll kostümiert als Wikinger und Prinzessin, als Seebär und als Clown hereinmarschiert, vornan der südliche „Diribär“ Andreas Ruppert. „Nord-Süd Geschichten“ ist das Programm betitelt, was sich im Laufe des Konzertes erschließt.


Einzug des Orchesters. Foto: Petra Kurbjuhn

Die Bühne ist mit Masken und Glitzerboa, in der Mitte sogar mit einer Fuchsstola geschmückt und auch ein Großteil des zumeist etwas älteren Publikums hat sich maskiert, um den Fasching auf ihre Weise mit schwungvoller Musik zu genießen.

Und schwungvoll beginnt auch der Abend mit dem ewigjungen Walzer von Johann Strauss Sohn „Rosen aus dem Süden“, wobei aus den Rosen im Programm Dosen gemacht wurden. Und auch die weiteren Stücke wurden originell umbenannt, so etwa entstand aus der „Siamesischen Wachtparade“ von Paul Lincke eine „Siamesische Wachtelparade“ und die „Lustige Witwe“ von Franz Lehar mutierte zur „Lästigen Witwe“.

Ebenso einfallsreich der Moderator des Abends Sven Ahnsjö. Der Name verrät es schon: Er kommt aus dem Norden und wird deshalb auch als der nördliche Sprechbär ausgewiesen. Er begrüßt das Publikum als „Südbayerische Kulturelite“ und hat sich für die Einführung der Stücke eine Menge Kurioses einfallen lassen.

Andreas Ruppert
Andreas Rupprecht und sein Orchester. Foto: Petra Kurbjuhn

So erfährt das erstaunte Publikum, dass der Komponist Karl Komzák Koch bei Erzherzog Albrecht gewesen sei und sich um dessen Fitness bemüht habe. „Kein Zucker auf den Schweinbraten und kein extra Käse auf den Kuchen“ habe es gegeben. Später aber habe er sowohl in Pasing als auch in Wien Lokale eröffnet und kulinarische Reisen von München nach Wien angeboten, „der Erfinder der Raststätten“. Marsch und Polka dieses österreich-tschechischen Komponisten sind sehr melodiös und schwungvoll.

Was den Abend auszeichnete war, dass neben den bekannten Komponisten mit sehr populären Stücken wie Strauss, Linke, Lehar eben auch die weniger bekannten Komponisten wie Komzák, Flower und Richartz mit seltener gespielten Stücken zur Aufführung gelangten.

Der elegant in Frack gewandete Moderator hatte sich als einziges Faschingsutensil neonorange Sneakers angezogen und erfreute auch mit Kalauern das Publikum, etwa, als er berichtete, dass er zwei Biber beim Essen beobachtet habe. „Es gab Steak“ (das k weich gesprochen).

Andreas Ruppert
Moderator Sven Ahnsjö. Foto: Petra Kurbjuhn

Warum aus der lustigen eine lästige Witwe wurde, erklärte er so: Franz Lehar habe eigentlich eine Operette über einen Witwer schreiben wollen, aber seine Frau habe komplett alles verändert.

Die Holzkirchner Symphoniker spielten in gewohnt routinierter Art die durchaus anspruchsvollen Stücke. Was leicht daherkommt, ist keineswegs leicht zu spielen. Andreas Ruppert hatte sein Orchester voll im Griff, auch wenn er zumeist nur hin und wieder sich von seinem Pianostuhl erhob, um einen Einsatz präzise zu setzen. Zumeist spielte er begleitend Klavier, hatte aber die Musikerinnen und Musiker stets im Auge.

Zu dem Stück „Jahreszeiten der Liebe“ von Willy Richartz hielt Sven Ahnsjö eine Vorlesung im Fach Heiterkeitspädagogik. Nur so viel sei erwähnt, dass Forschende herausgefunden haben wollen, dass das Hotel Vier Jahreszeiten ein Stundenhotel der Liebe gewesen ist. Und genauso gefühlvoll kam das Stück auch daher.


Andreas Ruppert in Aktion. Foto: Petra Kurbjuhn

Nach der Pause nahm Dirigent Andreas Ruppert die Sache selber in die Hand, schließlich ging es um seine eigenen Kompositionen, die anlässlich einer Orchesterreise nach Travemünde entstanden. Dort habe er die Mär vom traurigen Riesen Sven gehört, der aus Schweden durchs Meer stapfte und keine Dusche vorfand, unter die er passte. Aber ein arbeitsloser grüner Leuchtturm ließ sich schließlich umfunktionieren. Passenderweise war der Fagottist als grüner Leuchtturm im Orchester. Lautmalerisch hatte der Komponist die Geschichte in seiner Musik umgesetzt.

Eigenkompositionen von Andreas Ruppert

Auch die zwei anderen Stücke vom Schietwetter und dem Krabbenbrötchensouvlaki hatten recht mysteriöse Geschichten als Vorlage, die Stücke indes waren hörbar, melodiös und passten in ihrer Stimmung zum Faschingskonzert. Das Publikum bedachte die Eigenkompositionen von Andreas Ruppert mit viel Beifall.

Eine fantasievolle Geschichte hatte sich Sven Ahnsjö auch zur Tölzer Polka von Willy Richartz ausgedacht. Deutsche Filmemacher hätten es ihren amerikanischen Kollegen nachmachen wollen und Horrorfilme drehen. Dem Poltergeist wollten sie den Polkageist entgegensetzen und so sei es zur Polka gekommen.

Das Finale gehörte einer Konzert-Fantasie eines E. Monte Ferro, der als Komponist im Internet nicht auffindbar ist, dessen Musik aber begeisterte Bravorufe hervorrief. Ebenso wie der Radetzkymarsch als erste Zugabe.


Sven Ahnsjö am Cello. Foto: Petra Kurbjuhn

In der zweiten Zugabe zeigte Sven Ahnsjö, dass er ein ausgezeichneter Cellist ist. Er begeisterte das Publikum mit der Szene des Schwans aus „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns.

Mit Linckes „Berliner Luft“ ging ein Konzertabend der anderen Art zu Ende, gekonnte Mischung der Stücke, witzig-intelligente Moderation und ein eingespielt agierendes Orchester unter der Leitung des professionellen Dirigenten Andreas Ruppert.

Zum Weiterlesen: 30 Jahre Holzkirchner Symphoniker

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