
Verschwörungsmythen im UNTERLAND aufgedeckt
Monika und Ines in UNTERLAND. Foto: Michael Bischoff
Online-Miniserie
Am kommenden Donnerstag startet die neue Mini-Webserie „UNTERLAND – Verschwörung für Anfängerinnen“ von Jochen Strodthoff bei dasvinzenz. Der Haushamer Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler geht auf satirische Weise der Frage nach, warum sich Menschen Verschwörungsmythen anheimgeben.
In naher Zukunft spielen die 10- bis 15minütigen Szenen. Die beiden arbeitslosen Performerinnen Monika und Ines haben sich ein leerstehendes Kellertheater gemeinsam mit ihrem Goldfisch gekapert. In der ersten Szene liegt Monika „wie ein kafkaesker Krabbelkäfer rücklings auf dem Boden“ und macht Leibesertüchtigungsübungen.
das vinzenz, die Künstliche Intelligenz
Beim Aufstehen merkt sie, dass sie Hilfe braucht und ruft nach dem Inspizienten „das vinzenz“. Nur leider ist das kein Mensch, sondern eine Künstliche Intelligenz, die noch in den „goldenen Jahren vor dem Lockdown“ angeschafft wurde. Es entspinnt sich ein skuriller Dialog, denn Vinzenz sucht bei jedem gehörten Begriff das Web ab. Seine Lösungsangebote sind alles andere als hilfreich.
UNTERLAND. Foto: Michael Bischoff
So beginnt die erste Szene, die die Atmosphäre der Serie ahnen lässt. Es geht nicht nur um die offensichtlich für praktische Probleme versagende Künstliche Intelligenz, sondern es geht um Verschwörungsmythen. Das wird deutlich als die zweite Protagonistin Ines auftaucht, die von QAna spricht. Und es wird deutlich als die KI ihre Botschaft verkündet: „Unsicherheit ist ein großer Motor für Verschwörungsgläubige.“
Sprache wird subtil eingesetzt
Jochen Strodthoff hat sich diesem Schwerpunkt verschrieben, weil er in Sorge registriert, wie die rechte Szene über die AfD zum Sprachrohr geworden sei. Die Sprache sei es, die sehr subtil eingesetzt werde, sagt er. Man spreche von einer Flüchtlingswelle und setze damit Migranten einer Katastrophe gleich. Er sehe auch, dass die Situation schwierig sei, aber es gehe nicht an, dass man Migranten zu Vergewaltigern pauschalisiere.
Jochen Strodthoff bei einem Schauspiel-Workshop. Foto: Petra Kurbjuhn
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In der sechsteiligen Serie habe er die Texte seinen beiden Schauspielerinnen direkt auf den Leib geschrieben, sagt Jochen Strodthoff. Mit Monika Manz und Ines Hollinger habe er großartige Schauspielerinnen für sein Projekt gefunden, die schon mehrfach miteinander gearbeitet haben. In jeder Folge geselle sich ein Gast hinzu. Das sind Michele Cuciuffo, Miko Greza, Wowo Habdank, Maximilian Klas, Anastasia Papadopoulou und Kassandra Wedel. Eva Löbau (Stimme des Goldfischs), Lorenz Schuster als KI „dasvinzenz“ kommen hinzu.
Monika Manz. Foto: Michael Bischoff
Das KI liefert den beiden Frauen da unten im Keller doch eine praktikable Idee: die Gründung eines Nachrichtenportals. Allerdings, so die KI, habe die Webrecherche ergeben, dass Fake News die meisten Klicks und damit Kohle brächten. Das taugt Monika gar nicht und setzt einen Rilke dagegen. Aber „Der Panther“ generiert keinen einzigen Klick.
Fake News
„Die Situation hat sich zugespitzt“, sagt Jochen Strodthoff. Seine Serie mit den beiden Schauspielerinnen in Kellertheater, die sich mit ihrem Goldfisch in Sicherheit wiegen, solle zeigen, wie schnell man in rechtspopulistische Strömungen hineingeraten könne. Denn der Bordcomputer „dasvinzenz“ zitiere eine Menge Zeug aus dem Netz, teils wissenschaftlich belegt, teils Fake News. Er habe sich dabei unter anderem an QAnon und Pizzagate orientiert, einem Schlagwort, unter dem 2016 im US-amerikanischen Wahlkampf Gerüchte weiterverbreitet wurden, so, dass Hillary Clinton einen Kinderpornoring unter einer Pizzaria vertreibe und nur Donald Trump die Rettung bringe.
Ines Hollinger. Foto: Michael Bischoff
„Die Serie ist skurill, absurd, provokant, aber auf aufklärerisch“, sagt der Drehbuchautor und Regisseur. Schulfernsehen sei es nicht, aber er wolle zeigen, wie Verschwörungsmythen funktionieren. Wichtig sei ihm dabei, dass alles das, was die rechte Szene an Erklärungen anbiete, nicht funktioniere. „Die Welt ist kompliziert“, meint er, und mit Küchenphilosophie und simplen Modellen komme man nicht weiter.
Die ersten Szenen seien gedreht, die nächsten folgen jetzt im Mai.